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Ulrich Tragatschnig, Der Standard, February 2004
Graz-Des Osterreichers Duckmausertum ist hemmungslos. Das zeigt isch ganz alltaglich uberall, wo die machtigste Figur im Lande in Erscheinung tritt und erfolgreich Folgsamkeit gebietel: Das rote Ampelmannchen Wirkt, auch wenn keinerlei Verkehr am Weiterkommen hindert.
Das ist in Sachen subversiver Gestikulation ein wenig Nachhilfe nur vorteilhaft. Insbesondere wo eine revolutionary gedachte Einrichtung wie das Grazer Forum Stadtpark unter neuer Leitung (anton `lederer, Mitbegrunder de Kunstvereins rotor) aufbrechen will, sich anschickt, den geschutzten Raum der Kunst in Richtung Offentlichkeit zu verlassen. Daher wird dort uber jene Manipulationen nachgedacht, die eine nicht mehr ganz so leicht gelingt wie fruher – zu mindest doch das Altberkannte surreal durchkreuzen.
Speaktakular great in der Ausstellung Manipulation. Kunnst, auch fur demokratische Lander die von Helmut Dick besorgte Montage eines ausgestopften Schaferhunds auf das ausfahrbare Dach eines Mercedes, obwohl die vom selben Kunstler vorgeschlagene Involvierung einer Kaffeemaschine in die Bepinkelung einer Kaktee weit weniger aufwandig auch schon fur Erhitzung sorgt.
Wahrend der Besucher durch die Aktionsgruppe Gewalt wortlich auf sich selbst verwiesen bleibt, seine Integritat gerecht zu messen, wird zum Provatesten gegriffen, wessen sich fuhrende Outlaw – Initiativen zu bedienen wisen, und George Bush als Che Guevara an die Fassede oder der Text sur Gothic-Nummer Good Things von Marc Bijl an diverse Grauslichkeiten aus Beton mittels Spraydose gemalt. Wem das nicht weiterhilft, sich neu zu proentieren, der lese zur Beruhigung, was Barbara Schurz and Alexander Brener an die Ausstelungswande des Forum Stastpark schrieben, um die Subversion perfekt zu machen; ‘This exhibition is a lie and infamy! This exhibition is a mystification of the emancipatory potential of art!’ Vielfalt der Positionen
Allerdings emanzipierter fallt das Unterwandern kunstbetrieblicher Zusammenhange durch die Aktivitaten der Glasgower Transmission Gallery aus, deren momentane (zweijahrig wechselnde) Besetzung eingeladen wurde, sic him Grazer Kundstverein zu prasentieren. Schon weil hier keine Attitude pflichtschuldigst vorgefahren wird, sich stattdessen jeder Uberbau in der Vielfalt kunstlerischer Positionen und Methoden wie von selbst verlauft.
Postmodernistisches Multiple-Cross-Dressing also, das zwar in der Aufarbeitung kundsthistorischer Vermachtnisse (etwa in selbstreflexiver Material- und Kontextproblematisierung) deutlich schulisch ausfallt, auch nicht die Aneignung abgedroschenster Bildflosken scheut, manchmal aber doc him fotografischen Einfangen zufalliger Konstellationen gleichsam verzauberte Momente findet wie Henri Cartier-Bresson (Fred Petersen), im Rekurrie ren auf vormoderne Produktionsbedingungen avanciert erscheint (Laurence Figgis), oder in kaleidoskopischer Verwandlung aus Unscheinvarem Ungeheureliches zeugt (Lucy McEachan) und – end - lich! – zusammenbringt, was schon immer zueinander wollte: Blondie und Nosferatu (Mathew Noel-Tod).


